Auf ein Wort / Lesepredigten
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Sexagesimae_2025
Septuagesimae_2025
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letzter So. nach Epiphanias
3. Sonntag nach Epiphanias
Silvester 2024
1. Weihnachtstag 2024
Christvesper 2024
Predigt zu Matthäus 2, 1-14
Der Predigt liegt unser Krippenspiel zugrunde, das einst in Wittenberg unter Pfrn. Renate Keller entsand. Darin sind die Kräfte des Unterbewustseins, Macht, Verstand, Traum und Engel personifiziert und kommentieren das Geschehen.
Macht, Verstand, Traum und Engel – die Rollen sind deutlich, die Symphatien zweifellos vergeben, zumindest in unserem Spiel, das genau vor 10 Jahren hier schon einmal aufgeführt wurde.
Und ich könnte die Predigt von damals genauso verwenden-
Nein kann ich nicht.
denn auch wenn es gegen den Augenschein ist, die Welt hat sich verändert und nicht nur zum Schlechten.
Gewiss scheint es mitunter so, als hätte die Macht, die alles bestimmen will, die Oberhand. Es scheint so in Anbetracht der Machtpolitiker denen es um sich selbst um ihre Ziele um ihr Ego um ihre Politik – „ich zuerst“ geht-
In der Politik wird Lobbyarbeit betrieben, Mehrheiten werden geschaffen, Gegner denunziert, Abstimmungen organisiert, Meinungen manipuliert – heute scheinbar mehr denn je und erst recht im Hinblick auf die anstehende Wahl.
So läuft das nach wie vor im wirklichen Leben: da wird nicht erst groß diskutiert, da wird gefeuert und abgewickelt, da werden Tatsachen geschaffen.
Da gibt es Punktbewertungstabellen in der Schule, anders glaubt man, lernen sie ja nichts und wenn du leistungsmäßig nicht mithalten kannst, dann bleibst du eben sitzen, am Ende dort, wo die Verlierer sind.
So ist das im wirklichen Leben!
Der Stärkere setzt sich durch.
Wenn die Geduld am Ende ist, dann meldet sich die Macht zu Wort!
- so ist das im wirklichen Leben.
Nein so ist es nicht allein.
Sie alle, Ihr seid beredtes Beispiel dafür, dass es so nicht ist.
Denn mit Weihnachten, mit diesem Innehalten hier an diesem Ort, an diesem Heiligen Abend, zeigen Sie, zeigt ihr, dass es noch etwas anderes gibt, als das, was die Macht widerspiegelt.
Weihnachten – wissen Sie, wisst Ihr, woran ich da denke?
Ich denke an meine Kindheit:
Heilig Abend, ein Abend voller Lichter, voller Wärme, Gemütlichkeit, lange aufbleiben können, machen, was ich will: Modelleisenbahn spielen, ein Versteck bauen, keine Schule, keine Punkte, keine Zwänge, Freiheit und Geborgenheit.
Kurzum Unbefangenheit und spüren: es ist schön zu leben!
Ja, Kind sein, sozusagen jungfräulich wie Maria, einfach da sein, nichts leisten müssen, sich nicht durchsetzen müssen, frei sein, spielen, hören, riechen, schmecken, träumen
- daran muss ich denken, an ein Weihnachten an dem ich bin wie ein Kind.
Aber kaum ist es in mir, in meinem Bewusstsein, dieses kindliche Bedürfnis, sogleich wird es wieder bedroht von dem erwachsenen Verstand.
Für den Verstand ist das spielerische, spontane, zweckfreie undenkbar.
Da ist zumindest die Angst, sich zu blamieren, die Angst, es könne etwas aus der Kontrolle geraten, etwas, das meinem Ansehen schadet –
Da ist der Josef in mir.
Aber schlimmer noch kann es kommen, nämlich dann, wenn ich mich ganz auf mein Können, meine Position, meine Sicherheiten, meine Macht verlasse.
Wenn dann plötzlich etwas Unerwartetes geschieht, kann mein ganzes bisheriges Leben plötzlich in Frage gestellt sein.
Da erschrecke ich wie Herodes und will es finden, es erfassen, das Neugeborene um es auszumerzen, es ein für alle mal weg zu haben.
Ich will mich nicht in Frage stellen lassen.
Da gleiche ich manchmal der Gestalt des Herodes, diese Verhaltensweise ist uns aber auch von anderen Figuren bekannt: z.B. von der Stiefmutter im Märchen von Schneewittchen, die sich nie ernsthaft hinterfragen wollte, sondern immer nur ihre Bestätigung suchte bis der Spiegel ihr die Wahrheit zeigte:
„Ja Frau Königin ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als ihr!“
Da erschrak die Königin und wurde gelb und grün vor Neid und ging los, es zu suchen.
Genauso erschrak Herodes und schickte los um das Kind zu suchen.
Das Kind hatte etwas, das den Mächtigen längst verloren gegangen war. Deshalb sollte im Märchen wie auch der biblischen Überlieferung zu Folge das Kind umgebracht werden.
Die Zwerge im Märchen, die Weisen in der biblischen Geschichte retten das Leben.
Die Weisen orientieren sich nach dem Stern und hören auf die Boten Gottes. Weise sein, so verstehe ich die biblische Geschichte, heißt, sich nach etwas Himmlischem orientieren.
Der Stern zumindest weist darauf hin:
Es gibt Höheres, wonach es sich lohnt, zu orientieren, Höheres als Macht und Ansehen, etwas woran wir Halt und ganz neue Freude erleben können.
Ein kleines Kind zum Beispiel. – Es ist wirklich eine geniale Idee Gottes uns das durch ein Kind vor Augen zu führen.
Die Boten Gottes weisen uns darauf hin. Sie weisen uns auf die Art Gottes hin, die keine Art des mächtigen Dröhnens ist, keine glanzvolle Rhetorik der großen Redner, oder gar Lüge, keine Demonstration der Stärke von Waffen.
Nein ganz anders ist die Art Gottes:
In einem ohnmächtigen Kind wird sie deutlich: Zart, wie im Traum will uns Gott anrühren.
Für diese Art Gottes will uns das Weihnachtsfest sensibel machen.
Eine Art, für die man alle Sinne braucht: es ist die Liebe, die in dem Kind Jesus lebendig wurde und die in uns lebendig sein kann. Und sie wirkt!
Wir sehen es, was sich auch in den letzten Jahren in Menschenherzen bewegt hat:
Menschen verbünden sich gegen den Hass. Vor allem junge Leute bekennen Farbe, die des Regenbogens, dass kein Mensch wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf. Oder Rebellen in Kolumbien, so las ich, legten Waffen nieder und gingen zu Weihnachten nach Hause. Der Leitspruch dieser Aktion war: Weihnachten ist alles möglich.
Daran will ich glauben erst recht in diesem Jahr, in diesen Tagen. Das Heilvolle wird sich durchsetzen. Dafür steht Gott ein. Darum feiern wir Weihnachten. Amen.