Auf ein Wort / Lesepredigten
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4. So. vor der Passionszeit
letzter So. nach Epiphanias
Predigt zu 2. Mose 3 (verfasst von Karen Simon-Malue und Matthias Simon)
Liebe Gemeinde,
Namen sind Schall und Rauch - heißt es manchmal.
Und doch: Der Name ist auch wichtig:
Kann ich ja sagen zu meinem Namen
Ist er selten oder tragen ihn viele?
Ich war als Kind nicht so recht zufrieden mit meinem Nehmen und hätte lieber Markus oder Alexander geheißen.
Inzwischen aber habe ich mich mit meinem Namen ausgesöhnt.
Manche wurden auch als Kind wegen ihres Namens verspottet.
Manchmal wird jemand aufgrund des Namens
von anderen beurteilt, in eine Schublade gesteckt.
Ein fremd klingender Name weckt Vorurteile
Mancher Name wird als peinlich empfunden
Ein prominenter Name Weckt Aufmerksamkeit.
Manche werden festgenagelt durch ihren Namen.
Ein Märchen erinnert daran: Rumpelstilzchen
(Ach wie froh, dass niemand weiß …)
Niemand kennt seinen Namen und darüber ist er froh
Das gibt ihm Macht über andere, z.B. über die Müllerstochter, die ihm seine Kind versprechen musste.
Und als er belauscht wird und so die Müllerstochter,
die nun mit dem Königssohn verheiratet ist seinen Namen ausspricht,
da ist seine Macht dahin, da muss er das Kind und seine Mutter
freigeben
So war es in alten Zeiten.
In Ägypten und anderen Kulturen auch:
Mit dem richtigen Aussprechen eines Götternamens,
so der Glaube, konnten Menschen diesen Gott beschwören
Konnten sie ihn für eigene Interessen und Wünsche „benutzten“,
Auch mißbrauchen.
Das gab es immer wieder: Mit Gott für König und Vaterland
Auch das schwingt mit, wenn Mose nach dem Namen Gottes fragt,
dort am brennenden Dornbusch.
Er ist aus Ägypten geflohen, weil er um sein Leben fürchtete.
Er hatte einen ägyptischen Aufseher erschlagen.
Denn immer wieder wurden seine Landsleute als Sklaven misshandelt.
Er hatte es gut. Er war von der Tochter des Pharaos
adoptiert worden. Und doch: er litt mit seinen Leuten unter der Gefangenschaft.
So war er in die Wüste geflohen und hatte Zuflucht gefunden
bei einem Priester in Midian.
Dort lebte er viele Jahre als Viehhirte und heiratete Zippora,
eine Tochter des Priesters.
Und dann sieht er eines Tages in der Wüste einen brennenden Busch,
einen Dornbusch, keinen imposanten großen Baum, keine Palme.
Nein ein Dornbusch ist es, Symbol für Leid und Bedrängnis,
für Verletzung und Gefangensein. Dort erscheint Gott.
Der Busch brennt und verbrennt doch nicht.
Und als Mose näher tritt, da erreicht ihn ein Ruf:
Mose, komm nicht näher.
Und auf diesen Ruf hin zieht er die Schuhe aus,
steht barfuß auf diesem Boden der heilig ist
und Heiligung schenkt.
Und dann hört er die Worte: Ich bin der Gott den dein Vater verehrt hat der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Und Mose wendet den Blick ab.
Aus Ehrfurcht.
Und er erhält einen Auftrag: Er soll die Israeliten aus der Gefangenschaft in die Freiheit führen, zum Pharao gehen und die Freilassung der Israeliten fordern
Denn Gott hat das Elend seines Volkes gesehen,
Und es berührt Gott wenn Menschen leiden,
wenn sie unterdrückt, ausgegrenzt, beleidigt, verspottet werden.
Das lässt Gott nicht kalt, Und er brennt für die Liebe,
für Gerechtigkeit, für das Leben, für seine Geschöpfe
Und Mose soll sein Bote sein. Er soll hingehen und einstehen für Freiheit, für Mitmenschlichkeit.
Er soll sein Volk ins Weite führen, im Auftrag Gottes.
Auf die Frage nach dem Namen Gottes
die Mose umtreibt - sagt: Gott Ich bin da. Das ist mein Name.
Vier Buchstaben sind es im Hebräischen: JHWH
Sie werden nicht ausgesprochen von jüdischen Menschen, bis heute.
Ich bin da sagt Gott zu Mose
Und auch zu uns: In Not, im Leid
Wenn Ihr gefangen seid, in alten Verhaltensmustern
Wenn Ihr Angst habt vor der Zukunft
Bin ich da und werde da sein.
Und dieser Name Gottes, so erzählt es die Bibel verbindet sich mit den Namen von maßgebenden Menschen wie Mose es für die Israeliten war, wie Jesus es für moch ist.
So bekommt Mose mit dem Auftrag die Legitimation und für sich selbst die Zusage, nicht allen zu sein.
Schließlich geht Mose los. Der göttliche Funke ist übergesprungen.
Eine Zukunft die Mose nicht mehr gesehen hatte, hat ihm Gott offenbart. Ein Land mit Zukunft, ein Land, in dem Milch und Honig fließen.
Geradezu märchenhaft muten diese Bilder an. Ja noch ist ein Land darin alle genug haben, darin das Leben nicht bitter, sondern süß ist, noch ist ein solches Land nur ein Märchen.
Aus heutiger Sicht ist es ein Märchen für viele, die von Armut, Krieg und Tod umgeben sind.
Und darum kann ich nicht anders, als zu erinnern, das wir wie im Märchen plötzlich ein Land vor uns sahen, in dem es keine Zensur mehr gab, in dem ich alles sagen konnte, was ich wollte, ich Filme anschauen konnte, Bücher lesen ohne das jemand vorschrieb was erlaubt und was verboten ist, das ich in Theater gehen konnte in denen nicht Stücke aufgeführt wurden bei denen keine Partei zensierte, das ich über Grenzen konnte ohne das Zäune, Grenzposten und Todesstreifen mich aufhielten.
Und dass das so bleibt und nicht Politiker mit der Unterstützung von Oligarchen diese Freiheit einschränken, und Wahrheit in Lüge verkehren darum muss ich losgehen, wie einst Mose, wie Petrus, Jakobus, Johannes und dessen Brüder, wie die Jüngerinnen du Jünger Jesus, wie Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King, losgehen und mich für die Verheißung Gottes, für gelingendes Leben und Mitmenschlichkeit einsetzen. Dazu bin ich aufgerufen, sind wir aufgerufen, die wir den namen Christi tragen.
Das ich nicht allein gehe, davon bin ich überzeugt. Tausende sind mit auf dem Weg und Gott ist da. So lautet Gottes Name und Verheißung. Amen.