Auf ein Wort / Lesepredigten
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Gedanken zu Mt 25,31ff
Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan, spricht Jesus – darüber ist heute zu predigen. Aber eigentlich ist darüber gar nicht viel zu predigen. Denn eigentlich versteht es jeder.
Das versteht zumindest jeder Christenmensch, der etwas mit Jesus anzufangen weiß. Grundsätzlich versteht das jeder Mensch.
Wenn da einer sitzt und nichts hat und friert, bin ich irgendwie betroffen.
Auch wenn es armgemachte, hungernde und frierende Menschen zu allen Zeiten gab und gibt, so erinnerten landauf landab an vielen Orten Christen und Nichtchristen an Martin, der der Legende nach, seinen Mantel halbierte und die eine Hälfte dem frierenden obdachlosen Bettler gab.
Übrigens wurde Martin erst danach Christ und erst darauf Bischof von Tours.
Ganz ähnlich ist die Legende der berühmtesten Elisabeth, die Thüringen und Hessen kennt: Elisabeth von Thüringen. Eigentlich wäre das auch eine Frau, an die gleichsam wie Martin immer wieder erinnert werden müsste, erst recht heute am Tag der Heiligen Elisabeth.
Als Kind aus ungarischem Adelshaus kam Elisabeth auf die Wartburg. Dort sollte sie heiraten und so Landgräfin von Thüringen werden.
Dazu kam es auch. Doch was für eine Landgräfin sie war:
Das Elend der Armen in den Siedlungen unterhalb der Burg war für sie unerträglich. Und so erzählt man, kam Elisabeth immer einmal wieder und brachte Lebensmittel von der Burg um sie an die Armen zu verteilen. Das blieb auf der Burg nicht verborgen und so soll eines Tages Ludwig, ihr Mann mit einigen Getreuen hinuntergeritten sein.
Und als seine Begleiter zu ihm sagten: da ist deine Frau, schau, was sie wieder in ihrem Korb hat, nämlich die Speisen von deinem Tisch, und an die Armen verteilt, da soll Ludwig zu ihr gegangen sein und in den Korb geblickt haben. Seinen Begleitern rief er zu, es sind Rosen darin, nichts als Rosen.
Es ist eines der großen Wunder, die bis heute erzählt werden und auch jenes von einem Bettler, der fast verhungert und mit Geschwüren überdeckt am Burgtor des nachts geklopft haben soll. Und Elisabeth hat geöffnet und weil ihr Mann nicht da war, hat sie den Armen in sein Bett gelegt. Als Ludwig am anderen Tag kam und den Armen in seinem Bett sah, sagte Elisabeth zu ihm: Ludwig, weißt du noch, Jesus hat einmal gesagt: Was ihr dem Ärmsten Gutes tut, das habt ihr mir getan. Und da soll Ludwig in dem Gesicht des Armen das Gesicht Jesu gesehen haben.
Später hat Elisabeth in Marburg ein Hospital gegründet und all ihre Vermögen, ja ihr Leben für andere eingesetzt.
Legenden, die zeigen, dass all das, dem Hungrigen Brot geben, den Nackten Kleiden, den Kranken oder Gefangenen besuchen menschenmöglich und eigentlich naheliegend nämlich menschlich ist.
Nun ist, wenn ich den P.-text ganz lese, gar nicht darüber zu predigen, was ich alles tun sollte. Der Text endet, wie er angefangen hat, und hat darauf scheinbar den Focus: nämlich mit dem Gedanken des Gerichts: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.
Er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.
Wo werde ich sein – kann man sich zurecht fragen, will man diesem Gerichtsgedanken folgen.
In die Kollekte zum Martinstag habe ich ein paar Münzen gelegt. Es hätte mehr sein können. Wir haben für das Begegnungscafé gesammelt. Es waren schließlich 85 EUR (für das Begegnungscafé), die Martinshörnchen kosteten 170 EUR und waren für uns schon verbilligt.
Und wenn da nun ein Bettler vor der Sparkasse sitzt (und dort ganz zu Recht) gebe ich in der Regel keinen von den Scheinen ab, die ich gerade aus dem Automaten gezogen habe.
Ich habe schon so oft nichts gegeben und nicht nur nicht einem Bettler vor der Sparkasse.
Ich habe reichlich bettelnde Kinder gesehen in Tansania und bin an ihnen vorüber gegangen.
Mitunter, gerade in Afrika, habe ich da den inneren Impuls, irgendetwas zu tun. Meine t-Shirts oder ein Paar Jeans zu verschenken. Etwas zu essen kaufen.
Und wenn ich es manchmal tat, hatte ich dann ein schales Gefühl. Ich als reicher Europäer stehe plötzlich als der Wohltäter da.
Das ist vielleicht nochmal eine Entwürdigung der Armen und auch meiner selbst.
Die erste Entwürdigung der Armen ist, dass sie arm gemacht worden sind auch durch uns, unsere Lebensweise und die zweite Entwürdigung, dass sie Opfer wohltätigen Helfens, EU oder anderer Hilfsprogramme werden.
Das rührt dieser Matthäustext in mir an, die Frage der Würde und der Menschlichkeit.
Jesus ist gegenwärtig in den Geringsten, in den Schwächsten der Gesellschaft. Jesus schaut mich an in den Augen der bettelnden Menschen in Tansania, Jesus schaut mich an in dem Bettler in meiner Stadt.
Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Wie ihr dem Bettelnden, dem Hilfesuchenden, dem Flüchtling begegnet seid, ja mehr, wie ihr einem anderen Menschen begegnet, so seid ihr mir begegnet – höre ich diese Worte.
In jedem Menschen schaut mich Jesus an. Darauf verweist der Matthäustext. Im Gegenüber des anderen erkenne ich ihn und erkenne ihn oft nicht, weil ich blind bin und im Finstern wandle.
Eines Tages erreichte Hodscha Nasredin, den sie den Mullah nannten und der im 14. Jahrhundert in Ostanatolien lebte und der ein Weiser war, einer der wenigen, einer jener, die uns auch heute noch fehlen,
eines Tages also erreichte der Hodscha, auf seinem Esel gemütlich über die Höhen Ostanatolien ziehend, ein Dorf fern aller Wege. Die Menschen dort waren unglücklich, und sie klagten dem Fremden, dass sie vergessen hätten, wann die Nacht zum Tag wird und wann der Tag zur Nacht. Ihr Hofschratt, sagten sie, behaupte, die Nacht werde zum Tage, wenn man die Mauer um den Hof des Reichsten im Dorf erkenne. Die Dorfälteste hingegen meinte, die Nacht werde zum Tage oder der Tag zur Nacht, wenn man eine Ziege von einem Esel unterscheiden könne.
Fremder, so viele Auskünfte, so widersprüchlich. Sag du uns, Weitgereister, wann die Nacht zum Tage wird. Der Hodscha sagte: Die Nacht wird zum Tage, wenn du in das Gesicht Deines Nächsten blickst und siehst: Eine Schwester. Ein Bruder. Ein Mensch wie Du. So lange Du das freilich nicht erkennst, bleibt es Nacht, bleibt es dunkel.
Liebe Gemeinde der jüngste Tag ist nicht das Gericht im Jenseits, es ist der Tag, an dem wir uns im Angesicht Christi alle als Brüder und Schwestern erkennen. Und ich muss es verstärken erst recht unter dem Eindruck der furchtbaren Ereignisse in Israel, Palästina, Butscha und all diesen Orten des Krieges.
Mit diesen Orten sind Ereignisse verbunden, die zeigen, wie schnell Menschen ihre Menschlichkeit vergessen. Umso mehr müssen wir uns auf unsere Menschlichkeit besinnen.
Das Jüngste Gericht ist der Tag, an dem wir den Menschen der uns begegnet nicht als Moslem oder Christ oder Flüchtling oder Linken oder Rechten oder Obdachlosen oder oder … begegnen, sondern als Menschen. Das menschenverachtende Verurteilen anderer, Hass, Gewalt Mord und Terror ist das Gegenteil von Menschlichkeit und von Ebenbildlichkeit Gottes und ist verworfen. Nichts von dem wird Bestand haben, da bin ich sicher.
Die Begegnung aber in Barmherzigkeit, die Begegnung in der ich
den anderen als Menschen sehen, vielleicht als einen der Hilfe, Brot, Haus, Trost, Gemeinschaft braucht, wie jeder Mensch wird im Buch des Lebens bewahrt sein. Und wenn wir so einander begegnen, dann werden wir so Martin von Tours oder Elisabeth zu Heiligen, dann sind wir, was wir in unserem Glauben bekennen: Gemeinschaft der Heiligen, christliche Kirche.