Auf ein Wort / Lesepredigten
Okuli_2025
Reminizere_2025
Estomihi_2025
Sexagesimae_2025
Septuagesimae_2025
4. So. vor der Passionszeit
letzter So. nach Epiphanias
3. Sonntag nach Epiphanias
Silvester 2024
1. Weihnachtstag 2024
Christvesper 2024
4. Advent 2024
1. Advent_2024
Ewigkeitssonntag_2024
Vorletzter Sonntag_2024
Drittletzter Sonntag_2024
22. Sonntag nach Trinitatis_2024
21. Sonntag nach Trinitatis_2024
20. Sonntag nach Trinitatis 2024
Erntedank
18. Sonntag nach TRinitatis_2024
16. Sonntag nach Trinitatis
15. Sonntag nach Trinitatis_2024
14. Sonntag nach Trinitatis_2024
12. Sonntag nach Trinitatis_2024
10. Sonntag nach Trinitatis_2024
9. Sonntag nach Trinitatis_2024
8. Sonntag nach Trinitatis_2024
7. Sonntag nach Trinitatis_2024
5. Sonntag nach Trinitatis_2024
4. Sonntag nach Trinitatis_2024
3. Sonntag nach Trinitatis_2024
1. Sonntag nach Trinitatis_2024
Trinitatis_2024
Pfingsten_2024
Kantate_2024
Jubilate_2024
Quasimodogeniti_2024
Karfreitag_2024
Lätare_2024
Estomihi_2024
Sexagesimae_2024
Letzter So. nach Epiphanias 2024
3. So. nach Epiphanias 2024
2. So. nach Epiphanias 2024
Epiphanias 2024
Neujahr 2024
Silvester
1. Weihnachtstag 2023
Christvesper
4. Advent - Heilig Abend
3. Advent 2024
1. Advent 2024
Gedanken zu Psalm 24
Ich mute Ihnen heute viel zu: Drei Texte, die jeweils eine Verheißung meinen.
der erste, dass Frieden wird, der zweite vom Einzug Jesu in Jerusalem, der auf einem Eselsfüllen reitet und damit allen zeigen will, er kommt friedlich, sanftmütig. Und der dritte Text aus der Sammlung der Psalmen ist schließlich die Vorhersage, dass der Ewige kommen wird und uns allen die Tore in seine neue Welt öffnet.
An diesem Bild, über das heute zu predigen ist, dem Bild vom Tor bin ich hängengeblieben.
Und ich dachte an den Märchenhelden aus der unendlichen Gechichte:
Er steht nun vor dem dritten von drei Toren. Und er musste erkennen nachdem er die ersten beiden Tore bestanden hat, das das dritte nicht einfach zu durchschreiten sein wird:
In diesem Ohne-Schlüssel-Tor gibt es keine Klinke und keinen Knauf und kein Schlüsselloch, nichts. Es ist einfach zu und absolut unzerstörbar. Sein Material reagiert auf unseren Willen. Gerade unser Wille ist es, der es unnachgiebig macht. Je mehr einer hineinwill, umso fester schließt die Tür. Aber wenn es einer fertig bringt, jede Absicht zu vergessen und gar nichts zu wollen – vor dem öffnet sich die Tür ganz von selbst.
An diese märchenhafte Schilderung aus Michaels Endes Unendlicher Geschichte musste ich denken, als ich gedankenversunken vor dem biblischen Tor des Tempels stand.
Was für ein Ort. Einst von David gekauft für 50 Schekel Silber, wohl gemerkt ordentlich gekauft, er wollte das Land für den Tempel auch nicht geschenkt, hat es erst recht nicht einfach genommen, was für einen König wie ihn ja möglich gewesen wäre, nein, es sollte rechtmäßig sein.
Denn David wusste, nie kann einer dem anderen etwas nehmen, weil kein Segen drauf liegen würde. Das, was er hier beherzigt hat, vergaß er später selbst und musste schmerzliche Folgen spüren.
Was das Land anbelangt, so ist es dem Ewigen und was darinnen ist. So hat es David bekannt.
Salomon baute dann auf diesem Land den Tempel. David erlebte das nicht mehr. Und dann stand er da, der Tempel. In einer Größe und Prächtigkeit zu beschreiben, mir hier die Worte fehlen.
Aber ich stelle mir vor, wie es ist an diesem Ort zu stehen.
Ohne den Tempel zu sehen, sind es die Tore, die mein ganzes Blickfeld einnehmen. Es sind Tore so groß, dass dahinter die ganze Welt sein kann. Es sind Tore, durch die der Ewige kommt. Es sind Tore, die mich von dem Ewigen trennen. Wenn die Tore sich öffnen, dann werde ich dem Ewigen begegnen.
Wie aber öffnen sich diese Tore? Ich lese in der Verheißung, in der Erklärung, die einer Anleitung gleicht. Es ist eine Anleitung zum gerechten Leben. Das Tor zu diesem heiligen Ort öffnet sich für den, der gerecht lebt, unschuldige Hände hat und reines Herzen ist, wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug. Für den wird sich das Tor öffnen.
Ja, denke ich, die Absicht vergessen, einen anderen Menschen zu übervorteilen, mehr haben zu wollen, als andere, Einfluss, Geltung, Macht, Ansehen …
wenn ich all diese Absichten, die immer wieder Raum in meinem Herzen beanspruchen, wenn ich diese Absichten fallen lassen könnte, so würde sich das Tor öffnen und ich könnte Segen empfangen und Gerechtigkeit.
In diesem Augenblick fällt mir auf, dass es ja wieder eine Absicht ist. Ich möchte wieder etwas haben. Ich möchte den Segen haben, wie einst Jakob. Und ja, ich weiß, es ist eine fragwürdige Motivation, das Gute zu tun um sich des Segens sicher zu werden. Das gute tun, weil es mir mein Herz sagt, egal, was ich dafür bekomme, das wäre es.
Ich will den Segen, will Anteil am Heil Gottes. In diesem haben wollen erkenne ich die Schwäche.
Traurig wende ich meinen Blick ab von diesem Tor, das unbeweglich verschlossen scheint.
Ihr Tore hebt euch, öffnet Euch – so höre ich die Stimmen gebetet, gesungen unendlich viele Male, von unendlich vielen Gerechten und Ungerechten, gebetet, gesungen am ersten Tag des Neujahrs, dem Rocha hana, gesungen, als die Synagogen in Deutschland standen, gesungen als sie verbrannt waren, gesungen auf der Flucht, im Exil, gesungen in den Synagogen, die nun wieder errichtet wurden, gesungen an allen Orten der Erde, gesungen auch in Kirchen von Christen nach Noten von Schütz und Telemann und Bach und Weissel.
Ich höre die Musik, die freudige manchmal besinnliche Stimmung darinnen und schwanke selbst zwischen Zurückhaltung und Freude.
Denn was, wenn die Tore sich öffnen, was wenn der Ewige kommt,
der Herr, stark und mächtig, mächtig im Streit.
Werde ich bestehen? Mich beschleicht ein Gefühl der Unsicherheit. Die Musik verblasst. Es kommt die Frage in mir auf, ob ich überhaupt an dem Tor klopfen möchte.
Vielleicht ist es einfach gut, davor zu sein. Vielleicht lässt sich etwas erträumen, was hinter dem Tor ist? Was da sein könnte.
Marcel sagte: ich möchte, dass dort meine ganze Familie zusammen ist, meine geschiedenen Eltern wieder zusammen sind, Lea wünschte sich dahinter eine Sommerwiese mit einer Schaukel in den Bäumen und ihre Freundinnen dabei. Greta wollte gern ihren Opa dort sehen, der zwar alt war, aber doch viel zu früh, für sie viel zu früh verstorben ist.
Ich denke an die Kinder aus meinen Kinderkreisen, die alle ihre Hoffnungen damit verbanden, was hinter dem Tor sein könnte, als wir über dieses Bildwort aus dem Psalm sprachen.
Was ist hinter dem Tor?
Vielleicht ein Kind, ein ganz kleines, ein neu geborenes Kind und über ihm funkeln die Sterne, einer besonders hell, der den Weg zeigt hin zu einem Dasein ohne Macht und Geltungsanspruch, hin zu einem Dasein in Liebe, hin zu dem unbekannten Gott.
Ja öffnet Euch ihr Tore, gebt den Weg frei in Gottes Welt der Güte und Liebe. Amen