Auf ein Wort / Lesepredigten
Okuli_2025
Reminizere_2025
Estomihi_2025
Sexagesimae_2025
Septuagesimae_2025
4. So. vor der Passionszeit
letzter So. nach Epiphanias
3. Sonntag nach Epiphanias
Silvester 2024
1. Weihnachtstag 2024
Christvesper 2024
4. Advent 2024
Liebe Gemeinde!
Jesus Christus ist gestern und heute und derselbe für alle Zeiten.
An diesen Zeilen, bin ich in allen für den Silvesterabend vorgeschlagenen Texten hängengeblieben.
Es sind Worte, geschrieben Jahre nach dem irdischen Leben des Jesus von Nazareth an die Hebräer. Es tut mir gut, heute am letzten Tag des Jahres 2024 zu lesen: Jesus Christus gestern und heute und derselbe für alle Zeiten. Anders übersetzt: Christus in Ewigkeit. Gerade heute am letzten Abend des Jahres wird uns der unaufhaltsame Lauf der Zeit besonders bewusst, bewusst, es lässt sich nichts wirklich nachholen oder festhalten.
Ich denke zurück an das vergangene Weihnachtsfest. Ich hatte viele Gottesdienste, keine rechte Zeit, mich um einen Weihnachtsbaum zu kümmern. Dank unseres Hausmeisters hatten wir dann doch einen.
Zum ersten Krippenspiel fehlte plötzlich der Engel, ich musste die Rolle selbst übernehmen. Dann lief alles andere doch ganz gut.
Nur so richtige heilvolle Weihnachtsstimmung wollte sich bei mir nicht einstellen.
Und die Muppets-Weihnachtsgeschichte haben wir auch noch nicht angeschaut – jene liebevoll inszenierte Gruselgeschichte nach Charls Dickens. Nein eine Gruselgeschichte ist es ja nicht wirklich, aber jedes Mal, wenn ich an Mr. Scrootsch – jenen unerbittlichen Geldverleiher denke, läuft mir ein Schauer über den Rücken.
Am Heilig Abend ist ihm, dem weder die Menschen um ihm herum noch Weihnachten etwas bedeutete, die eigene Geschichte vor Augen geführt worden. Drei Geister haben ihn in jener Nacht aufgesucht:
Der Geist der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht und ein etwas unheimliches Gefühl beschleicht mich bei dem Gedanken, auch mir würden diese Geister begegnen – nicht weil ich wie Scrootsch das Schlimmste zu befürchten hätte, vielmehr weil diese Geister, vor allem die Gedanken der Vergangenheit einen ganz schön gefangen nehmen können.
War es in der Vergangenheit nicht heilvoller – so höre ich eine Stimme in mein Ohr flüstern und spüre mich plötzlich selbst weggeführt in die Zeit, die längst hinter mir liegt:
Ich sehe uns, meine Frau und mich bei der Einführung in die Pfarrstelle St. Marien und den anschließenden Empfang im Gärhof. Viele Menschen sind um uns herum.
Und ich sehe mich / uns mit den anderen Mitarbeitenden zu den vielen Neujahrsempfängen, bei denen wir verkleidet als Rockband oder stimmversagende Kirchenchormitglieder sind.
Und ich sehe mich im Weihnachtskonzert mit vielen Sängerinnen und Sängern in das „Jauchzet frohlockend“ einstimmen
Und gerade taucht in mir diese Musik auf, der ich nachsinnen will, doch da hält mich eine feste Hand an der Schulter:
Halt ein, sei jetzt hier in der Gegenwart.
Und ich schaue mich um und sehe in bekannte Gesichter, Menschen die hier sind um eine Ermutigung zu erfahren, Werde ich sie geben können – frage ich mich zugleich; doch ohne weiter nachzudenken nimmt mich der Geist der Gegenwart mit. Ich sehe, wie ein paar Jungen einen Silvesterknaller gezündet haben. Doch ich höre keinen Knall und der Geist, der mich weiterführt, erschrickt auch nicht. Und dann sehe ich, wie sich Menschen umarmen – sie scheinen sich lang nicht gesehen zu haben und feiern wohl heute Silvester miteinander. Da sehe ich durch ein Fenster, wie gerade der Diener Mr. Sofie einschenkt – und ich kenne Frage und Antwort, ohne sie zu hören: The same procedure as last year? The same procedure as every year! Ich gehe erheitert weiter, stehe vor einem anderen Haus und da stockt auch gleich mein Herz: Nein nicht wie jedes Jahr. Hier ist es anders! Hier weint die Familie um ihre Mutter.
Und ich soll nun hinein gehen und trösten. Habe ich die Kraft dazu?
Doch ich brauche nicht weiter darüber nachzudenken, denn schon spüre ich eine Hand in meinem Rücken, die mich weiterschiebt. In diesem Moment weiß ich, dass ich gleich die Zukunft sehen werde.
Eigentlich will ich sie nicht wirklich sehen, denke ich. Eine solche Sicht würde mich wohl eher hemmen, mich traurig machen trotz der Aussicht, dass ich Zeit haben werde vieles zu tun, was ich jetzt nicht schaffe. Traurig irgendwie, weil doch etwas auch unwiderruflich zu Ende sein wird.
Gewiss ist es gut ab und an zurück zu denken, aber auch das nur in Maßen, aber voraus blicken mag ich nicht, höchstens voraus träumen.
Als hätte ich es laut gesagt, lässt der Druck in meinem Rücken augenblicklich nach, allein eine warme Hand spüre ich, die mich hält und dann diese Worte:
Sei getrost, du warst, du bist und du wirst nicht allein sein. Weder wenn dich die Gedanken der Vergangenheit einholen, noch wenn du gerade nicht weißt, was du tun sollst und erst recht nicht morgen, wenn du weiter gehst. Ja, gehe weiter, gehe den Weg, folge den Spuren Jesu. Erkenne den Geist Gottes aus all den vielen anderen heraus. Gottes Gnade wird dich fest machen. Du musst nicht zwanghaft Mächten folgen, die dir dies oder jenes vorschreiben. Trau dir zu, das Leben weiter und immer neu auszuprobieren.
Blicke auf Jesus, schaue, wie er es getan hat. Eins ist sichtbar all jenen die sehen können: In seinem Leben, in seinem Sterben in seiner Auferstehung ist der ewige Gott sichtbar und so soll, so kann es auch in deinem Leben sein.
Und wo immer du gehst, spüre Gottes Segen wie eine warme Hand, die dich führt, dich manchmal erinnert, dass nichts von dem Guten der Vergangenheit verloren geht, eine Hand, die dich leitet, wenn du gerade zögerst, eine Hand, die dich hält, dir Rückhalt gibt bei allem, was vor dir liegt.
Und alles, was nicht gut war, alles Missglückte wird nicht mehr sein.
Ein warmes Gefühl durchströmt mich bei diesen Gedanken, der wie ein Geschenk ist, ausgelöst von den Worten an die Hebräer,
Auch sie dachten zurück an Jesus, an dessen irdisches Leben, das jedes Jahr in größere Ferne rückte. Und sie waren in ihrem gegenwärtigen Glauben unsicher, und sie wussten nicht, ob ihre Gemeinde Bestand haben wird.
Die Zusage, Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit - eine Zusage durch alle Zeit hinweg, hat sie ermutigt und diese Worte wollen auch unser Herz festigen zweitausend Jahre nach Christus der da ist, der war und der sein wird. Amen.