Auf ein Wort / Lesepredigten
Okuli_2025
Reminizere_2025
Estomihi_2025
Sexagesimae_2025
Septuagesimae_2025
4. So. vor der Passionszeit
letzter So. nach Epiphanias
3. Sonntag nach Epiphanias
Silvester 2024
1. Weihnachtstag 2024
Christvesper 2024
4. Advent 2024
1. Advent_2024
Ewigkeitssonntag_2024
Vorletzter Sonntag_2024
Gedanken zum Volkstrauertag 2024
Jedes Jahr gedenken wir am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewalt, insbesondere der Opfer der großen Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts. Wie hier auch schon erwähnt, erinnern zumindest an die Opfer des 1. Weltkrieges und der Kriege von 1866 und 1871 in der St. Marienkirche die Tafel der Gefallenen. Und um all die Menschen, die ein Volk verloren hat, will ich heute trauern. Aber mehr als das:
Besucht man die Kirche von Groß Ammensleben findet man auch eine interessante Erinnerungstafel vor. Nämlich die derjenigen Männer, die einen Krieg überlebt haben.
Und das ist es, wovon ich am heutigen Tag gerade in Anbetracht der zahllosen Konflikte träumen muss. Ich muss davon träumen dürfen, dass eines Tages keine Tafeln mehr von Gefallenen in Kirchen angebracht werden müssen, keine Gräber, die auf Kriegsopfer hinweisen, errichtet werden. Ich möchte davon träumen dürfen, dass unsere Kinder und die Kinder von allen Müttern und Vätern weltweit nur noch in den Geburtsregistern erinnert werden und niemand einen vorzeitigen gewaltsamen Tod sterben muss. Ich will das heute intensiver und unbedingter träumen als in allen Jahren zuvor. Weil dieser Traum und diese Hoffnung, die dahinter stehen das Einzige ist, was ich gerade den Ereignissen in der Ukraine, in Gaza und Beirut und Israel, im Jemen und an so vielen Orten entgegensetzen kann. Es ist das Einzige, womit ich den Kriegstreibern und jenen, denen es vor allem um den eigenen Profit und die eigene Macht ankommt, die Stirn bieten kann.
Als Christ entnehme ich diese Hoffnung den Propheten der jüdischen Bibel, die davon träumen, dass Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden, und das Kriegführen verlernt wird. Und dieser Traum, diese Hoffnung, die auch meine ist, speist sich aus der Erfahrung, dass Kriege beendet, Feindschaft überwunden, Raketen verschrottet wurden. (Der westfälische Friede beendete den 30jährigen Krieg, die Alliierten landeten vor 80 Jahren in der Normandie und leiteten so das Ende des Naziregimes ein. Russische Panzer zogen vor 35 Jahren ab und Atomsilos wurden leergeräumt).
Diese Hoffnung auf epochale Friedensereignisse möchte ich gern mit Ihnen teilen und ich wünschte, sie würden sie mit ihren Familien, Kindern, Freunden teilen. Wie? Nun indem wir alle dem Aufruf der diesjährigen Friedensdekade (vom 10.-20. November) folgen in dem es heisst: Erzähl mir vom Frieden.
Heute am Mittagstisch und immer einmal wieder nicht in die allgemeine Klage einstimmen, stattdessen vom Frieden erzählen. Das eigene Zuhause, unsere Schulen, unsere Kirchen können, ja sollten Orte sein, an denen vom Frieden erzählt wird.
Es können die großen (erwähnten) Geschichtsereignisse sein, aber genau so Momente, in denen es gelang, sich mit einem einzelnen Menschen auszusöhnen. Vom Frieden erzählen wird unsere Fähigkeit zum Träumen und Hoffen stärken und unsere Fähigkeit als Zivilisation zu überleben.