Auf ein Wort / Lesepredigten
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1. Advent 2024
Ewigkeitssonntag_2023
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Zur Eröffnung der Friedensdekade
22. Sonntag nach Trinitatis
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21. Sonntag nach Trinitatis
20. Sonntag nach Trinitatis
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7. Sonntag nach Trinitatis 2023
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Quasimodogeniti 2023
Karfreitag 2023
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Sonntag Sexagesimae
letzter Sonntag nach Epiphanias
2. Sonntag nach Epiphanias.
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1. Weihnachtstag
Heilig Abend
3. Advent
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Wort zum Volkstrauertag
Vorletzter Sonntag
18. Sonntag nach Trinitatis
17. Sonntag nach Trinitatis
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13. Sonntag nach Trinitatis
11. Sonntag nach Trinitatis
10. Sonntag nach Trinitatis/ Israelsonntag
9. Sonntag nach Trinitatis
8. Sonntag nach Trinitatis
4. Sonntag nach Trinitatis
2. Sonntag nach Trinitatis
1. Sonntag Nach Trinitatis
Trinitatis
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Karfreitag 2022
Palmsonntag
Sonntag Judika
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Friedensgebet am 25. Februar
2. Sonntag vor der Passionszeit
3. So. vor der Passionszeit
4. So. vor der Passionszeit
letzter Sonntag nach Epiphanias
3. Sonntag nach Epiphanias
2. Sonntag nach Epiphanias
1. Sonntag nach Epiphanias
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Neujahr
Predigt zur Wiedereröffnung von St. Marien
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Reformationstag 2021
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Erntedank, 3. Oktober 2021
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Wiedereröffnung Kirchturm St. Marien
12. So.n. Trinitatis
11. So.n. Trinitatis
9. So. nach Trinitatis
6. So. nach Trinitatis
5. So. nach Trinitatis
4. So. nach Trinitatis
3. So. nach Trinitatis
1. So. nach Trinitatis
Trinitatis
Jubilate
Miserikordias Domini
Ostern
Karfreitag
Gründonnerstag
Sonntag Judika
Sonntag Lätare
Sonntag Reminiszere
Predigt am Sonntag Reminiszere
zu Jesaja 5, 1ff
Liebe Gemeinde,
gesungen werden darf ja momentan noch nicht. Dennoch ist heute ein Lied der vorgeschlagene Predigttext – ein Bänkellied. Es ist aller paar Jahre vorzutragen und scheint nicht an Aktualität verloren zu haben.
Das Lied vom Weinberg
51 Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe.
2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.
3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg!
4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?
5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.
6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.
7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.
Ein Bänkellied – gesungen zu einem Fest, vielleicht dem Erntefest in fröhlicher Stimmung. Denen, die sich zuprosteten, schmeckte aber sogleich der Wein säuerlich, denn unverhohlen spricht der Sänger aus, was Sache ist:
Angegriffen wird von Jesaja und den anderen Propheten die hemmungslose wirtschaftliche Expansion der Großgrundbesitzer, ihre Gier nach immer mehr Landbesitz, welche die Kleinbauern und ihre Familien von ihrem angestammten Besitz verdrängen.
Kritisiert wird die rücksichtslose Handhabung des Pfand –und Kreditrechts. Die Reichen bauen sich feine Stadthäuser und feiern darin rauschende Feste und scheuen sich nicht einmal bei Gottesdiensten, welche eigentlich die Gemeinschaft stärken sollen, ihren Besitz zur Schau zu stellen (Man lese die Jesaja-kritik einfach weiter).
Das was einst so gut begonnen hatte, der kollektive Freiheitsgedanke, der sie einst mit dem Auszug aus Ägypten verbunden hatte, die Landnahme, alles Mühen Gottes um sein Volk, am Ende bleibt Abwendung von Gott, von Recht, menschlicher Solidarität und Güte.
Das Resümee, das gezogen wird, ist klar und unmissverständlich:
Der Weinberg ist zur Plünderung freigegeben. Aus ist es mit der Pflege, Dornstrauch und Unkraut werden aufsteigen und die Weinstöcke ersticken.
Das Weinberglied eine Parabel mit bitterem Ausgang.
Wer solche Lieder singt zu Zeiten, an denen Feiern angesagt ist und vor Leuten, die zur besseren Gesellschaft gehören ist freilich ein Narr. Eine solche Narrenfreiheit nahmen sie sich heraus, die Propheten des alten Bundes und nicht zuletzt auch Jesus selbst, wie neulich bereits erwähnt.
Was ist ein Narr? Ein Narr ist ein Zweifler an allem, was als selbstverständlich gilt. Er entlarvt zu allen Zeiten, was an Unerschütterlichem gilt und macht die sogenannten Selbstverständlichkeiten des gesunden Menschenverstandes lächerlich.
Der Narr verunsichert und beunruhigt.
Im Absurden versucht er das Vernünftige aufzudecken.
Wir entdecken bei genauerem Hinsehen, das mit dem Weinberglied genau das versucht wird.
In den Ohren ausgelassener Menschen eines Festes klingt das Weinberglied wie der Anfang einer Liebesromanze. „Wohlan!“ Freude am Leben, an der Liebe am Augenblick, voller Hoffnung auf künftiges Glück. Wer hört da nicht gern zu? Und man sieht den Weinberg blühend vor sich bei all den Mühen, die der Gärtner aufgewendet hat. Aber in Wirklichkeit blüht da nichts, jedenfalls nichts Gutes. Er wartete darauf, dass der Weinberg gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.
Nun richtet selbst zwischen mir und meinem Weinberg … Warum brachte er schlechte Trauben? Spätestens hier merken die Zuhörer, wer der Weingärtner ist, wer da „Ich“ sagt und Klage erhebt.
Die Antwort wartet er nicht ab. Sein Urteil ist bestürzend: „Ich will den Weinberg zur Wüste werden lassen!“
Jesaja stellt sich selbst die Frage: „Warum diese Katastrophe?“ Die Antwort hatte sich schon angedeutet. Nun nennt er mit Namen, die Gott so enttäuscht haben: „Der Weinberg des HERRN aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“
Oft ist es nur ein kleiner Schritt vom Rechtsspruch zum Rechtsbruch, vom Heil zum Unheil.
Die Israeliten hatten es vor Augen. Ohnmächtig mussten sie die Katastrophe mit ansehen in die sie alle hineingerissen wurden.
Und diese Geschichte, dass ein Volk verblendet wurde und in das Verderben stürzte wurde gegen die Juden verwendet, aber gerade von denen, wie unsere eigene deutsche Geschichte zeigt, die selbst das Volk ins Verderben stürzten.
Das Weinberglied Jesajas ist ein Lied, das allen gilt, zu allen Zeiten, all jenen, die sich zuerst sehen und sich abwenden von Recht und Gerechtigkeit.
Heute in Anbetracht der Coronakrise hieße ein Stichwort: Impfgerechtigkeit. Damit denke ich gar nicht an einzelne, die aus welchen Gründen auch immer, vor anderen eine Impfung bekommen, vielmehr denke ich an das globale Unrecht. Europa hat sich soundso viele Impfdosen gesichert, andere westliche Staaten ebenso. Und andere sind ungesichert, gerade jene der schwächeren, die nicht annähernde Intensivkrankenhauskapazitäten haben, wie die reichen Länder. Und was das bedeuten kann, mag ich mir gar nicht weiter vorstellen.
Und so können wir für den Weinberg unsere Gesellschaft einsetzen oder unser reiches Land oder Europa oder auch unsere Kirche.
Überall Kämpfe um Verteilung, auch in unserem Kirchenkreis um die Mittel aus dem Baulastfond oder dem Orgelfond usw. Wer bekommt was.
Letztlich kann ich mich darin selbst sehen, jede und jeder kann sich darin sehen.
Der Weinberg - das ist jedermann und jedefrau.
Habe ich den Mut, mir dieses Lied vor dem Spiegel zu singen und zu sehen, wie viel in meinem Leben nicht aufging. Wie viel in meinem Leben schlecht und sauer war vor allem auch für andere. Wie oft ich nicht mitbekam oder mitbekommen wollte, wo ich andere mit Füßen trat, wo mir das eigene Vorankommen, näher lag als die helfende Hand, wo ich mich selbst nach vorn schob, wo ich hätte besser zurück treten müssen.
Wie hat sich Gott um mich gemüht, hat mich angestoßen durch andere, hat seine Boten geschickt, die mir sagten: sieh dein eitles Tun und kehre um. Ich aber habe sie nicht hören wollen, habe wider besseres Wissen und Gewissen gelebt.
Das Weinberglied Jesajas ist kein nettes Bänkellied, sondern eine entlarvende Anklagerede. Eine Anklage auf alles eitle Tun und Reden, das keinen Bestand haben wird, worüber Disteln und Dornen wachsen.
Wer Ohren hat, möge verstummen – so könnten wir folgern, doch halt, eines bleibt uns zu sagen: Reminiszere! Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit! Das Wort Hoffnung gewinnt Farbe allein durch den Ruf des Psalmdichters, im Grunde an jedem Tag zu rufen und zu beten: Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit!
Denn Gott will nicht, dass mein Leben einem unfruchtbaren Weinberg gleicht, sondern Gott will, dass ich bin wie ein Baum gepflanzt an den Wasserbächen, Gott will, dass ich wahrhaftig bin – wie es im Ev. hieß: die Wahrheit tue und so zum Licht komme und für andere Licht sein kann. Und der Friede Gottes …
Bleib mit deiner Gnade bei uns Herr Jesu Christ.
Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott. 789.7